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Vom Glück der Wildschweine und Schussfestigkeit stoischer Dackel – oder

ein Gruppenspaziergang im Wanseer Forst am 16. Mai 2026



Dackel Karlsson hatte sich den Samstag ganz anders vorgestellt: eigentlich wollte er ausschlafen, ein bisschen die Nachbarschaft kontrollieren und anschließend strategisch wichtige Krümel unter dem Küchentisch sichern. Doch stattdessen stand das große Treffen der Teckelgruppe Raben an – direkt an der Schießanlage am Wannsee. Also nichts wie los!

Schon beim Aussteigen aus der Bahn wehte Karlsson ein Duft in die Nase, der seine Dackelseele bis ins Mark erschütterte: Wildschweine! Und nicht nur ein bisschen. Nein, es roch nach einem ganzen Wildschwein-Kongress mit Buffet.

Da sich die Vierbeiner unmittelbar vor der Schießanlage verabredet hatten, hörte man vor lauter Schüssen kaum das so bedeutsame Teckelgebell!

Endlich angekommen und die Kollegen begrüßt, die pünktlich zum Teckelmarsch durch den Wannseer Forst ihr Personal aus den Federn geschmissen hatten, gab es schon das erste große Entsetzen: „Das ist doch Folter!“, jammerte Karlsson.

Doch die Regeln waren eindeutig: Alle mussten an der Leine bleiben. Wirklich alle. Selbst Bretzel, die normalerweise nie auch nur bei einem raschelnden Blatt ihre Contenance verlor, musste etwas ungehalten neben ihren Menschen herdackeln. Man konnte den Teckeln förmlich ansehen, wie sie innerlich Jagdlieder sangen und gleichzeitig versuchten, geschniegelt und kontrolliert zu wirken.

Mit dabei waren natürlich auch Leia, Rieke, Jette und Lilly, die geschniegelt durch den Wald stöckelten, als hätten sie für den großen Dackel-Wandermarsch trainiert. Die drei Wilms-Damen sorgten wie immer für gute Stimmung und fachkundige Kommentare am Wegesrand (samt Rudelführer Gerhard!), während Mowgli ausgesprochen gut gelaunt durchs Unterholz schnupperte, als hätte er heimlich schon ein zweites Frühstück bekommen. Rudi marschierte straff hinterher und tat so, als würde ihn der Wildgeruch überhaupt nicht interessieren – was ihm allerdings niemand glaubte. Und überall wuselte das restliche Dackelkollegium der Teckelgruppe Raben mit wedelnden Ruten und hoch konzentrierten Schnauzen umher.


Besonders würdevoll erschien Seniorin Gioia. Während die anderen tapfer über Stock und Stein marschierten, wurde sie wie eine echte Königin im Wagen chauffiert. Mit hoch erhobener Schnauze thronte sie darin, ließ sich schieben und schaute die restlichen Dackel an, als wäre sie auf Staatsbesuch.

„Mit dem Alter kommt der Luxus“, murmelte Karlsson etwas neidisch.

Eigentlich war die Sache mit der Schussfestigkeit gar nicht geplant gewesen. Doch weil man sich direkt an der Schießanlage am Wannsee getroffen hatte, knallte und schepperte es plötzlich immer wieder im Hintergrund. Die Menschen schauten kurz irritiert, einige Teckel hoben interessiert die Köpfe – und dann wurde einfach weiter gedackelt.

Keiner ließ sich aus der Ruhe bringen. Kaum ein hektisches Ziehen an der Leine, wenig empörtes Gebelle und nicht einmal ein dramatischer Dackelaufstand. Mit ihrem gesamten Gefolge marschierten sie stoisch weiter, als wäre es das Normalste der Welt, neben einer Schießanlage spazieren zu gehen.

Karlsson war insgeheim ziemlich stolz auf die ganze Truppe. „Also wenn das keine Schussfestigkeit war, weiß ich auch nicht“, dachte er zufrieden.

Am Ende waren alle zufrieden. Es wurde geschnuppert, gewedelt und noch einmal ausführlich diskutiert, wie unfair es eigentlich sei, dass man für so viel Gelassenheit keine Urkunden ausgestellt bekam.

„Also ehrlich“, empörte sich Karlsson auf dem Heimweg bei seinem Frauchen: „für so viel Disziplin hätte ich mindestens eine goldene Wurst verdient!“

Und insgeheim waren sich alle Dackel der Teckelgruppe Raben einig:
Der Tag war ein voller Erfolg – auch wenn die Wildschweine diesmal ungeschoren davongekommen waren.

Bericht: Karlsson und sein Frauchen Annemarie Kattner / Fotos Petra Wilms

Veröffentlicht in Dackelspaziergänge