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Fünf Seen – Wanderung durch Tempelhof



Berlin!  Du bist so wunderbar

Dieser Songtext trifft für meinen Geschmack nicht unbedingt für ganz Berlin zu. Dafür ist die Stadt zu kontrastreich, zu multikulturell und freisinnig. Das Leben spielt sich in den verschiedenen „Kiezen“ (Vierteln) mit jeweils eigener Identität ab.

Für unseren letzten Dackelspaziergang am Sonntag (02. August 2026) haben wir aber ein besonders schönes Areal für uns und unsere kleinen Begleiter gefunden. Trotz Ferienzeit und relativ hoher Temperaturen kamen 16 Dackelnasen in Begleitung von Frauchen und/oder Herrchen zu unserem gemeinsamen Spaziergang. Unser Ziel war dieses Mal der Berliner Stadtteil Tempelhof mit seinen weitläufigen Parkanlagen [und den darin liegenden fünf Seen. Sie sind eine Folge von in west-östlicher Richtung abgeschmolzener Toteislinsen des letzten Eiszeitendes vor ca. 11.000 Jahren. Der große Schmelzwasserabfluss der Eiszeit hat das Berlin-Warschauer-Urstromtal gebildet, in dem heute die Spree fließt zwischen Teltower-Platte und Barnimer-Platte. Höhenunterschied zur Spree ca. 30-50 Meter: südlich der Tempelhofer Berg – nördlich der Prenzlauer Berg.]

Die Begrüßung war wie immer turbulent und freundlich, schließlich kennt man ja seine „Dackel-Kumpels und -Kumpelinen“ und ist auf alles, was kommt, gespannt und neugierig.

Start war um 14 Uhr am Franckepark mit dem fast ausgetrockneten Francke Teich, einem der schönsten historischen Grünanlagen des Stadtbezirkes. Gemeinsam mit dem Alten Park, dem Lehnepark und dem Bosepark bildet er einen zusammenhängenden Grünzug und ein großes Naherholungsgebiet. Die Landschaftsgestaltung der Grünanlage hat bewegte historische Wurzeln, über die uns Gerhard Wilms – bestens vorbereitet – viele Informationen gab.

Um dies nachvollziehen zu können, sollten wir diesen Ausflug noch einmal kurz Revue passieren lassen.


Seinen Ursprung hat der Park im Jahr 1875. Der Kaufmann und Fabrikbesitzer Theodor Francke (1838 bis 1911) war der Namensgeber der Anlage. Er ließ auf seinem Grundstück einen privaten Landschaftspark anlegen. Zuvor diente das Gelände als Lager- und Bleichplatz für Elfenbein, mit dem Francke handelte. Er betrieb eine Fabrik zur Verarbeitung dieses Materials, das im 19. Jh. u. a. für Klaviertasten, Billardkugeln, Kämme und kunsthandwerkliche Gegenstände verwendet wurde – ein heute eher kritisch betrachteter Teil der Parkgeschichte.

Aber nachdem die Erben der Familie Francke das Gelände 1924 der Stadt Berlin übergaben, entstand erstmals eine öffentliche Volksparkanlage mit Rosengarten, Dammwildgehege und weiteren Vergnügungsmöglichkeiten, dem heutigen Franckepark, der viele Jahrzehnte bestand.

Leider erlitt die Parkanlage im Zweiten Weltkrieg erhebliche Schäden. Die Wiederherstellung erfolgte zwischen 1954 und 1955 nach historischer Grundstruktur. Heute ist die Anlage ein geschütztes Gartendenkmal, das Natur und Naherholung wundervoll miteinander verbindet.

Wir können für dieses Idyll nur dankbar sein, auch wenn die Entstehung des Gartens im Zusammenhang mit Kolonialgeschichte und ihren Folgen betrachtet werden muss.

DANKE, HERR FRANCKE

Nun ging es über den Tempelhofer Damm zum Alten Park mit dem Klarensee. Wie der Name schon sagt, es ist die älteste öffentliche Parkanlage des Stadtteils und eine der geschichtsträchtigsten. Ursprünglich gehörte das Gelände zur mittelalterlichen Komturei der Tempelritter, die sich um 1200 in Tempelhof niederließen und dem Ort seinen Namen gaben. Das Herzstück des Parks ist der Klarensee, ein natürliches Toteisloch aus der letzten Eiszeit. Besonders schön ist der Blick vom See hinauf zur historischen Dorfkirche, die zu den ältesten erhaltenen Bauwerken Berlins zählt. Sie steht auf den Grundmauern der Kirche der Tempelritter aus dem 1. Jahrtausend n. Chr., die hier eine Komturei gründeten. Die Umfassungsmauer steht zum Teil heute noch. Es ist die erste Gründung und Besiedlung Berlins in westliche Richtung mit Landwirtschaft, in südliche Richtung Gründung von Mariendorf und Marienfelde.

Um 1250 von den Tempelrittern als schlichte Felssteinkirche errichtet, diente sie sowohl als Gotteshaus als auch als Mittelpunkt des dörflichen Lebens. 1312 ging das Dorf zunächst an den Johanniterorden und später an verschiedene Landesherren über. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte erweitert und verändert. Der mittelalterliche Kern blieb aber weitgehend erhalten.

Heute ist die Dorfkirche ein denkmalgeschütztes Gebäude. Sie erinnert an die Anfänge Tempelhofs als kleines Ordensdorf und ist bis heute ein aktiver Platz des Gemeindelebens.

Die Grünflächen des Parks wurden bei unserem Spaziergang auch von vielen anderen Besuchern sehr vielfältig genutzt. Zum ersten Mal wurden wir Zeugen einer Hundegeburtstagfeier, der auf einer Decke mit viele Leckerlies für Hund und Mensch gefeiert wurde. Ob das Geburtstagskind das begriffen hat? Ich wage es zu bezweifeln. Auf jeden Fall war er freudig überrascht, als unsere kleine Dackelkompanie auf ihre ganz spezielle Art gratulierte – mit Gebell und viel Neugier.

Unsere nächste Station war der Lehnepark, ein eher naturnaher Landschaftspark mit weitläufigen Rasenflächen und altem, wertvollem Baumbestand und dem Wilhelmsteich.

Der Park geht auf das ehemalige Landgut der Familie Lehne zurück, der Ende des 19. Jh. das Wohnhaus der Familie umgab. Nachdem das Gelände in den Besitz der Gemeinde Tempelhof übergegangen war, wurde der Park in den 1920er-Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und in das Netz der Tempelhofer Parkanlagen integriert.

Unsere letzte Parkanlage erreichen wir durch den Bosepark:  den Alboinpark mit seinem Herzstück, der – Blanken Helle -, einem eiszeitlichen Toteisloch. Im Park auf der südlichen Seite der 1936 aus Rüdersdorfer Kalkstein errichtete Ur-Stier, der an den Mythos anknüpft, dass die blanke Helle = Hölle, Unterwelt, Nebelwelt der Eingang zum Toten-Reich der Göttin Hel ist.

Der Stier geht auf eine alte Sage um die Blanke Helle, die früher „Hels Pfuhl“ genannt wurde, zurück. Hel ist der Name der germanischen Göttin der Unterwelt. Der Überlieferung nach bewachte einst ein Priester ihren Opferplatz am See. Als Belohnung ließ Hel jedes Frühjahr einen mächtigen schwarzen Stier aus den Tiefen aufsteigen, der die Felder pflügte und Fruchtbarkeit brachte. Nachdem ein christlicher Mönch die alten Opferbräuche abschaffte, erschien der Stier erneut – diesmal jedoch zornig – und verschlang den Mönch. So viel zur Legende, die Natur, Mythologie und Geschichte verbindet.

Wahr ist jedoch, dass die Skulptur im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für arbeitslose Künstler in den 1930er Jahren entstand. Angeblich soll im Inneren eine Kartusche mit einem von den Künstlern unterzeichneten Aufruf gegen das aufkommende NS-Regime eingemauert sein. Ein Beweis dafür wurde bislang noch nicht gefunden.

Nun verlassen wir unsere Parkanlagen und gehen entlang der Eythstraße an einem der schönsten historische Parkfriedhöfe Berlins vorbei. Er wurde 1908 als II. Städtischer Friedhof Schönebergs eröffnet. Ein besonderes architektonisches Highlight ist die Friedhofskapelle, ein monumentaler Kuppelbau. Auch heute wird der Friedhof weiter genutzt und ist ein besonders schöner Ort des Gedenkens und der Erinnerung.

Nun haben wir gleich unser heutiges Ziel erreicht – die Wohnsiedlung „Lindenhof“ mit dem Weiher Lindenhof. Sie wurde zwischen 1918 und 1921 als eine der ersten großen sozialen Wohnungsbauprojekte der Weimarer Republik erbaut, und ist ein Meilenstein des modernen Städtebaus. Ihre Grundideen sind Licht, Luft, Grün und Gemeinschaft, beste Voraussetzungen für gesunde Lebensbedingungen. Das Konzept verband preiswerten Wohnraum mit hoher Lebensqualität, sicherlich auch heute noch ein großes Vorbild.  Beim Anblick der Reihenhäuser mit kleinen Gärten, großzügigen Grünflächen und einem zentralen Weiher konnte man kaum glauben, dass wir mitten in Berlin sind. Leider beträgt die Wartezeit auf eine Wohnung in diesem Viertel ca. 40 Jahre, zu lang für viele von uns!!!

Jetzt haben wir uns aber eine Pause verdient. Die kleinen Beine unserer Rasselbande sowie auch unsere sind schon recht müde nach dem aufregenden Ausflug. Wir fanden am Weiher auf Bänken einen schattigen Platz und Ute hatte für das leibliche Wohl alle Vorbereitungen getroffen: Kaffee, Tee, Wasser und handlicher Kuchen standen zum Picknick bereit, bevor wir den Heimweg wieder angetreten haben.

Vielen Dank allen, die an der Vorbereitung und Durchführung aktiv beteiligt waren. Es war ein toller Spaziergang mit viel Informationen und super Organisation. Es lohnt sich für jeden, diesen Weg noch einmal zu gehen!

Berlin! Du bist so wunderbar ….. stimmt doch

Kommt alle gut über den Sommer und bleibt gesund.

Mit ganz vielen lieben Grüßen, Karin und Frank Rettkowski

Ein besonderer Dackelgruß von Karl (chen) an alle Kumpels und Kumpelinen!




Bericht: Karin Rettkowski // Fotos: Jeremias Beier, Heike Dander, Petra Wilms

Veröffentlicht in Dackelspaziergänge